Die Änderungsschneiderei
Nach einem langen Unitag beschloss ich noch ein wenig die langersehnte Frühlingssonne zu genießen und schlenderte über den Marktplatz. Die Frühlingssonne schien aber nicht jeden mit guter Laune angesteckt zu haben. Es war schon kurz vor Feierabend an den Marktständen, aber ich wollte gerne noch ein paar Blumen kaufen, um auch ein bisschen Frühling in der Wohnung zu haben. Auf die Frage hin, ob ich denn noch etwas kaufen kann, gab die bereits zusammenpackende Verkäuferin nur ein Brummen von sich, das man deuten konnte wie man wollte, von mir aber als deutliches ja verstanden wurde.

Mit einem schönen Blumenstrauß unter dem Arm war ich auf dem Heimweg und kam an einer Änderungsschneiderei vorbei. Für ein Geschenk zur Geburt haben wir uns überlegt ein kleines Babydeckchen zu kaufen, auf das wir dann den Namen des Babys sticken lassen wollen. Die Babydecke haben wir bereits, aber leider noch niemanden gefunden, der uns den Namen preiswert einsticken möchte oder kann. Also dachte ich mir, probiere ich mal mein Glück und frage nach, ob sie das machen und was das hier so kostet.

Als ich reinkam stand ein äußerst sympathisch aussehender Inder in der Ecke des Raumes und betrachtete mich abschätzig. Ich, so freundlich wie ich konnte, fragte nach, ob sie denn einen Namen auf eine Decke sticken können. „Was? Name? Wo?“ Nachdem ich wiederholt habe sagt er schon lauter „Auf Jacke??“ – Denkt er etwa, ich will mir einen Markennamen irgendwo reinschreiben lassen?- Nein, versuchte ich immer noch ruhig zu erklären, einen Namen auf eine Babydecke. „Welches Namen?“ Äh… den des Babys!? „Geht nix!“ Ich wollte mich noch nicht so ganz mit der Antwort zufrieden geben, weil ich immer noch das Gefühl hatte, dass er mich falsch verstanden hatte sah ich mich etwas um und entdeckte im Nebenraum eine Frau, die nicht indisch aussah. Ich sah sie hilfesuchend an, weil ich dachte, sie könne vielleicht fließend deutsch sprechen und würde das Missverständnis aufklären. Aber sie hat nur zurückgeguckt und nicht mal das Gesicht verzogen.

Ich fragte also nochmal: Können Sie einen Namen auf eine Decke sticken, oder geht das nicht? „Mit Maschine?“ Naja, ich weiß nicht womit. Sie sind ja der Fachmann. „Nix Maschine so haben.“ Ach braucht man dafür eine spezielle Maschine?“ Private Maschine!“ Denkt er etwa immer noch ich will eine Markenjacke fälschen? „Nix. Private Maschine! Nix geht!“ Noch ein fragender Blick zur blonden Frau im Nebenraum, aber wieder kommt keine Reaktion. Ich verabschiede mich noch so freundlich ich kann von dem Mann, der bereits in der Mitte des Zimmers steht und sich ziemlich in Rage geredet hat. Bevor ich aber noch mal danach frage und er vielleicht noch die Polizei ruft, gehe ich lieber.
Hinter mir knallt die Tür zu und ich stehe im Flur und frage mich, was gerade passiert ist…